Metta-Meditation: Wohlwollen üben
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Metta ist das Pali-Wort für Wohlwollen oder liebende Güte. Die gleichnamige Meditation übt nicht Konzentration, sondern eine Haltung: anderen und sich selbst Gutes zu wünschen – auch dann, wenn es schwerfällt.
Herkunft
Im frühen Buddhismus gehört Metta zu den vier Brahmaviharas, den „himmlischen Verweilzuständen“: Wohlwollen (metta), Mitgefühl (karuna), Mitfreude (mudita) und Gleichmut (upekkha). Ein bekannter Text dazu ist das Karaniya-Metta-Sutta, das bis heute in Klöstern Süd- und Südostasiens rezitiert wird. Es beschreibt sinngemäß eine Güte, die so grenzenlos sein soll wie die Liebe einer Mutter zu ihrem einzigen Kind.
In den Westen kam die Übung vor allem über die Einsichtsmeditation, die Vipassana-Bewegung. Lehrerinnen wie Sharon Salzberg haben sie seit den 1970er-Jahren in einfacher, weltlicher Form verbreitet.
Die fünf Kreise
Klassisch wird Metta in einer Reihenfolge geübt, die vom Leichten zum Schweren führt:
- Sie selbst – für viele Menschen überraschend der schwerste Schritt.
- Ein Mensch, der Ihnen Gutes getan hat – eine Lehrerin, eine Großmutter, ein Freund.
- Ein neutraler Mensch – die Kassiererin im Supermarkt, der Nachbar, den Sie nur vom Grüßen kennen.
- Ein schwieriger Mensch – nicht gleich der größte Konflikt, sondern jemand, der Sie leicht ärgert.
- Alle Wesen – ohne Grenze, ohne Auswahl.
Wem der erste Schritt nicht gelingt, darf mit dem zweiten beginnen. Es ist leichter, Wohlwollen zuerst dort zu spüren, wo es von selbst entsteht, und es dann zu sich zurückzulenken.
Die Sätze
Geübt wird mit wenigen, gleichbleibenden Wünschen, die still wiederholt werden. Eine verbreitete Fassung lautet:
- Mögest du sicher und geschützt sein.
- Mögest du gesund sein.
- Mögest du glücklich sein.
- Mögest du mit Leichtigkeit leben.
Die Worte dürfen angepasst werden. Wichtig ist nicht der Wortlaut, sondern dass sie ehrlich gemeint werden können. „Mögest du Frieden finden“ passt manchmal besser als „Mögest du glücklich sein“.
Wenn nichts passiert
Viele Übende berichten, dass sie beim Sprechen der Sätze zunächst nichts empfinden – oder sogar Traurigkeit. Das ist kein Scheitern. Metta ist eher Gießen als Ernten: Man pflegt eine Absicht, und die Gefühle folgen irgendwann, manchmal erst nach Wochen. Wer bei sich selbst starke Abwehr spürt, kann Metta mit Übungen zum Selbstmitgefühl verbinden, wie sie heute auch in der Psychotherapie genutzt werden.
Was Studien zeigen
Mehrere Untersuchungen legen nahe, dass regelmäßige Metta-Praxis positive Gefühle stärken und die Verbundenheit mit anderen Menschen erhöhen kann. Die Effekte sind meist moderat, die Studien oft klein. Ehrlicher als große Versprechen ist deshalb der Satz: Es lohnt sich, es auszuprobieren.
Wo Metta hinpasst
Metta ergänzt die Sitzmeditation gut, weil sie der Stille einen warmen Ton gibt. Sie hat Verwandte im christlichen Fürbittgebet und im Kreis der Gemeinschaft, wie ihn der Beitrag zum Redekreis beschreibt. Einen Überblick über weitere Formen gibt der Wegabschnitt Stille.