Der Jahreskreis: acht Feste durch das Jahr
Wegabschnitt · 12 Etappen3 Min. LesezeitAktualisiert am
Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen gliedern das Jahr, seit Menschen den Himmel beobachten. Das heute bekannte „Rad des Jahres“ mit acht Festen ist dagegen eine moderne Zusammenstellung. Beides ist spannend – man sollte nur wissen, was was ist.
Vier Sonnenfeste, vier Zwischenfeste
Das Jahr lässt sich an zwei Achsen aufhängen. Die erste bilden die Sonnenwenden im Juni und Dezember, an denen der Tag am längsten und am kürzesten ist. Die zweite bilden die Tagundnachtgleichen im März und September, an denen Tag und Nacht fast gleich lang sind. Diese vier Punkte sind astronomisch bestimmt und verschieben sich jedes Jahr um einige Stunden.
Dazwischen liegen vier Feste, die ungefähr die Mitte der Jahreszeiten markieren: Imbolc Anfang Februar, Beltane Anfang Mai, Lughnasadh Anfang August und Samhain Anfang November. Ihre Namen stammen aus dem Irischen; im frühmittelalterlichen Irland waren sie tatsächlich wichtige Jahreszeitenfeste mit Märkten, Viehtrieben und Bräuchen.
| Fest | Zeitpunkt | Anlass |
|---|---|---|
| Imbolc | 1./2. Februar | Lichtmess, erstes Licht, Lämmerzeit |
| Ostara | um den 20. März | Frühlings-Tagundnachtgleiche |
| Beltane | 30. April / 1. Mai | Sommerbeginn, Maifeuer |
| Litha | um den 21. Juni | Sommersonnenwende |
| Lughnasadh | 1. August | Beginn der Getreideernte |
| Mabon | um den 22./23. September | Herbst-Tagundnachtgleiche |
| Samhain | 31. Oktober / 1. November | Winterbeginn, Totengedenken |
| Jul | um den 21. Dezember | Wintersonnenwende |
Die genauen Termine für die nächsten Monate stehen im Kalender.
Alt oder neu?
Oft ist zu lesen, die acht Feste seien „die Feste unserer keltischen und germanischen Vorfahren“. Das stimmt nur zum Teil. Belegt sind die vier irischen Feste und verschiedene Mittsommer- und Mittwinterbräuche in ganz Europa. Dass alle acht zusammen ein geschlossenes Rad bilden, ist aber eine Idee des 20. Jahrhunderts. Sie entstand in der britischen Wicca-Bewegung um Gerald Gardner in den 1950er-Jahren. Die Namen Litha und Mabon für Mittsommer und Herbstanfang kamen erst in den 1970er-Jahren hinzu.
Der britische Historiker Ronald Hutton hat die Geschichte der Jahresfeste in Großbritannien ausführlich untersucht. Sein Ergebnis, sinngemäß: Viele Bräuche sind alt, ihr Zusammenhang ist neu. Das macht die Feste nicht wertlos. Es heißt nur, dass man sie ehrlich als moderne Praxis mit alten Wurzeln feiern kann.
Man muss nicht an Götter oder Geister glauben, um die Wendepunkte des Jahres zu feiern. Es genügt, hinzusehen, was draußen geschieht.
Wie man den Jahreskreis heute feiert
Die Formen reichen von neuheidnischen Ritualen über Frauenkreise und Naturschutzgruppen bis zu Familien, die einfach am Johannistag ein Feuer machen. Häufige Elemente sind:
- ein Gang nach draußen, zum Beispiel ein meditativer Spaziergang,
- ein Feuer oder Kerzenlicht,
- ein Kreis, in dem jede Person etwas erzählt – wie im Redekreis,
- eine stille Zeit der Rückschau und eine Absicht für die nächsten Wochen,
- ein gemeinsames Essen mit dem, was die Jahreszeit hergibt.
Manche Gruppen verbinden die Feste mit schamanischen Trommelreisen. Was es damit auf sich hat, erklärt der Beitrag Schamanische Heilpfade. Eine eigene Zeit zwischen den Jahren sind die Rauhnächte.
Alle Etappen dieses Wegabschnitts
- Imbolc – das Fest des ersten Lichts
Imbolc am 1. und 2. Februar: das irische Fest der Brigid, der christliche Lichtmesstag, Bräuche wie das Brigidkreuz und eine Übung für den Spätwinter.
- Ostara – die Frühlings-Tagundnachtgleiche
Ostara um den 20. März: was die Tagundnachtgleiche ist, was Beda und Jacob Grimm über eine Frühlingsgöttin schrieben und wie Ei und Hase ins Spiel kamen.
- Beltane – das Fest des Sommerbeginns
Beltane in der Nacht zum 1. Mai: das irische Feuerfest, die Walpurgisnacht im Harz, der Maibaum und wie man den Sommeranfang heute feiern kann.
- Litha – die Sommersonnenwende
Die Sommersonnenwende um den 21. Juni: warum sie der längste Tag ist, was Stonehenge damit zu tun hat, das Johannisfeuer und woher der Name Litha kommt.
- Lughnasadh – das Fest der ersten Ernte
Lughnasadh am 1. August: das irische Erntefest des Gottes Lug, das englische Lammas mit dem Brot aus dem ersten Korn und Ideen für ein eigenes Erntedank im Sommer.
- Mabon – die Herbst-Tagundnachtgleiche
Mabon um den 22./23. September: die Herbst-Tagundnachtgleiche, woher der Name aus der walisischen Sage stammt, Erntedank und eine Übung zum Loslassen.
- Samhain – Winteranfang und Ahnengedenken
Samhain am 31. Oktober und 1. November: das irische Fest des Winteranfangs, Rübenlaternen und Halloween, Allerheiligen, Allerseelen und stilles Ahnengedenken.
- Jul – die Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende um den 21. Dezember: warum sie der kürzeste Tag ist, was das Julfest war, Julblock und Wintergrün – und wie man die längste Nacht still begeht.
- Die Rauhnächte
Was die Rauhnächte sind, woher der Name kommt, warum man zwischen den Jahren räucherte und nicht wusch – und wie man die zwölf Nächte heute bewusst nutzt.
- Schamanische Heilpfade
Was Schamanismus ursprünglich ist, wie Mircea Eliade und Michael Harner das westliche Bild prägten, wie eine Trommelreise abläuft und wo die Grenzen liegen.
- Der Redekreis
Wie ein Redekreis funktioniert: vom Redestab über die vier Grundsätze der Council-Praxis bis zu einer Anleitung für Familie, Freundeskreis und Gruppe.
- Frauenkreise und die Göttin Lakshmi
Wer Lakshmi ist und warum ihr Bild in Frauenkreisen auftaucht, woher die Idee der Frauenkreise stammt und was einen guten Kreis ausmacht.
- Kalender: die nächsten Stationen im Jahreskreis
Wann sind Samhain, Jul, Imbolc, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh und Mabon? Die Termine bis Herbst 2027, mit den astronomischen Zeitpunkten der Sonnenwenden.