Die Chakras
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Kaum ein Begriff aus der indischen Spiritualität ist im Westen so bekannt wie „Chakra“. Auf Yogamatten, Räucherstäbchen und Kristallen tauchen die sieben bunten Kreise auf. Ihre Geschichte ist deutlich älter, vielfältiger – und weniger bunt.

Das Wort
Das Sanskritwort cakra bedeutet „Rad“ oder „Kreis“. In der Tradition des Tantra, die sich in Indien etwa ab dem 7. Jahrhundert entfaltete, bezeichnet es Zentren im „feinstofflichen Körper“, an denen sich Energiekanäle, die Nadis, bündeln. Diese Zentren werden als Lotosblüten mit einer bestimmten Zahl von Blättern, Silben und Gottheiten beschrieben.
Wichtig: Die frühen Texte kennen nicht „die“ sieben Chakras. Je nach Schule ist von vier, sechs, neun oder mehr Zentren die Rede. Das heute verbreitete System aus sechs Chakras plus dem tausendblättrigen Lotos am Scheitel geht vor allem auf einen Text zurück: das Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa des Gelehrten Pūrṇānanda aus dem 16. Jahrhundert.
Wie die Chakras in den Westen kamen
1919 veröffentlichte der britische Richter und Indologe John Woodroffe unter dem Namen Arthur Avalon „The Serpent Power“, eine Übersetzung und Deutung dieses Textes. Das Buch prägte das westliche Bild nachhaltig. 1927 folgte „The Chakras“ des Theosophen Charles W. Leadbeater. In den Jahrzehnten danach verbanden Autorinnen und Autoren der Esoterik und später des New Age die Chakras mit Hormondrüsen, Regenbogenfarben, Edelsteinen und Lebensthemen.
Die bekannte Farbenfolge von Rot am Steiß bis Violett am Scheitel ist eine westliche Entwicklung des 20. Jahrhunderts. In den indischen Quellen haben die Lotosblüten andere, teils uneinheitliche Farben.
Die sieben Zentren im heutigen Modell
| Name (Sanskrit) | Lage | Blätter im klassischen Bild |
|---|---|---|
| Muladhara | Beckenboden | 4 |
| Svadhisthana | Unterbauch | 6 |
| Manipura | Nabelgegend | 10 |
| Anahata | Herzraum | 12 |
| Vishuddha | Kehle | 16 |
| Ajna | zwischen den Augenbrauen | 2 |
| Sahasrara | Scheitel | 1000 |
Das Herzzentrum Anahata heißt übersetzt „nicht angeschlagen“ – gemeint ist ein Klang, der ohne Berührung entsteht. Viele Herz-Meditationen beziehen sich darauf.
Was Chakras sind – und was nicht
Chakras sind ein religiöses und meditatives Modell. Sie dienen als Landkarte für die Aufmerksamkeit: Wer sich auf den Herzraum konzentriert, spürt dort oft Wärme oder Weite. Das ist eine echte Erfahrung. Ein anatomisches Organ, das man messen, „blockieren“ oder „reparieren“ könnte, sind sie nach heutigem Wissen nicht. Für die Behauptung, verschlossene Chakras verursachten Krankheiten, gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
Chakras in der Übung
Im Kundalini Yoga, im tantrischen Hatha Yoga und in vielen Körpermeditationen wandert die Aufmerksamkeit von unten nach oben durch die Zentren, oft verbunden mit Silben wie lam, vam, ram, yam, ham, om. So verstanden sind Chakras ein Weg, den eigenen Körper von innen wahrzunehmen. Wer so üben möchte, findet Anregungen unter Yoga und Meditation und Ein Mantra singen.