Bildungsurlaub und Bildungsprämie
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Eine Woche Achtsamkeit oder Stressbewältigung, bezahlt vom Arbeitgeber? Unter bestimmten Voraussetzungen ist das möglich. Die Regeln unterscheiden sich allerdings stark von Bundesland zu Bundesland.
Was Bildungsurlaub ist
Bildungsurlaub – je nach Land auch Bildungszeit oder Bildungsfreistellung – ist eine bezahlte Freistellung von der Arbeit für anerkannte Weiterbildungen. Er kommt zusätzlich zum Erholungsurlaub. Geregelt ist er nicht bundesweit, sondern in Landesgesetzen. Fast alle Bundesländer haben ein solches Gesetz; Bayern und Sachsen sind die Ausnahmen.
Niedersachsen und Hessen
In Niedersachsen haben Beschäftigte nach dem Niedersächsischen Bildungsurlaubsgesetz grundsätzlich Anspruch auf fünf Tage bezahlte Freistellung pro Jahr. Die Veranstaltung muss von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) anerkannt sein. In Hessen gilt nach dem Hessischen Bildungsurlaubsgesetz ebenfalls ein Anspruch auf fünf Arbeitstage im Jahr.
Wer nicht jede Woche fünf Tage arbeitet, bekommt anteilig weniger Tage. Und: Der Anspruch muss rechtzeitig beim Arbeitgeber angemeldet werden, meist mehrere Wochen vorher. Die genauen Fristen stehen im jeweiligen Landesgesetz.
| Land | Anspruch | Anerkennung durch |
|---|---|---|
| Niedersachsen | 5 Tage pro Jahr | AEWB |
| Hessen | 5 Tage pro Jahr | zuständige Landesbehörde |
| Bayern, Sachsen | kein Landesgesetz | – |
Sind Meditations- und Gesundheitskurse anerkannt?
Das hängt vom Land und vom konkreten Kurs ab. Bildungsurlaub dient in den meisten Gesetzen der beruflichen, politischen oder allgemeinen Weiterbildung. Reine Entspannungs- oder Wellnesswochen fallen nicht darunter. Kurse, die Stressbewältigung, Gesundheitskompetenz oder Kommunikation am Arbeitsplatz vermitteln, werden dagegen in vielen Ländern anerkannt – vorausgesetzt, sie haben ein ausgearbeitetes Programm mit Lernzielen und einem Tagesumfang von mehreren Unterrichtsstunden.
Entscheidend ist also nicht, ob meditiert wird, sondern wie der Kurs aufgebaut ist. Ein Achtsamkeitskurs nach dem MBSR-Modell mit Theorieanteilen hat bessere Chancen als ein Retreat, das ausschließlich aus Stille besteht. Der Veranstalter muss die Anerkennung für das jeweilige Land nachweisen; ohne diesen Nachweis sollte man sich nicht anmelden.
Was aus der Bildungsprämie wurde
Viele ältere Kursseiten werben noch mit der Bildungsprämie. Das Bundesprogramm unterstützte Erwerbstätige mit geringem Einkommen mit einem Gutschein, der die Hälfte der Kursgebühr übernahm. Es ist zum 31. Dezember 2021 ausgelaufen; gültige Gutscheine konnten noch bis Mitte 2022 eingelöst werden. Neue Prämiengutscheine gibt es nicht mehr.
Wer heute Unterstützung sucht, sollte nach Weiterbildungsförderungen des eigenen Bundeslandes fragen. Kosten für berufsbezogene Fortbildungen – etwa eine Ausbildung zur Meditationslehrerin, wenn man damit Geld verdienen will – können außerdem steuerlich als Werbungskosten oder Betriebsausgaben zählen. Im Einzelfall hilft eine Steuerberatung.
Und die Krankenkasse?
Unabhängig vom Bildungsurlaub bezuschussen viele Kassen zertifizierte Präventionskurse, meist zwei Kurse pro Jahr. Die Zuschüsse sind unterschiedlich hoch. Mehr zu Kursformen und Zertifizierung steht im Wegabschnitt Stille.