Yoga und Meditation
Etappe 8 von 12 · Stille3 Min. LesezeitAktualisiert am
Im Westen wird Yoga meist als Bewegungsform gesehen, Meditation als etwas eigenes. Historisch ist es umgekehrt: Die Körperhaltungen waren lange nur Vorbereitung für das, worum es eigentlich ging – einen ruhigen Geist.
Was Patanjali unter Yoga verstand
Das Yogasutra des Patanjali, entstanden etwa in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, definiert Yoga gleich im zweiten Vers: yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ – sinngemäß „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Geistes“. Von Körperübungen ist in dem Text kaum die Rede. Asana bedeutet dort schlicht „Sitz“: Er soll stabil und angenehm sein, damit man lange meditieren kann.
Die vielen Haltungen, die man heute im Kurs übt, stammen aus dem Hatha Yoga. Texte wie die Hatha-Yoga-Pradipika aus dem 15. Jahrhundert beschreiben Haltungen, Reinigungsübungen und Atemtechniken – und betonen, dass all dies dem höheren Ziel der Versenkung dient.
Warum Bewegung beim Meditieren hilft
Wer nach einem Arbeitstag direkt versucht, still zu sitzen, erlebt oft Unruhe im Körper und im Kopf. Einige Minuten Bewegung lösen Spannung, machen Hüften und Rücken beweglicher und lenken die Aufmerksamkeit in den Körper. Danach fällt das Sitzen leichter. Diese Reihenfolge – bewegen, atmen, sitzen – findet sich in vielen Yogastilen wieder, am deutlichsten im Kundalini Yoga und in traditionellen Hatha-Stunden, die mit Entspannung und Meditation enden.
Atem als Brücke
Zwischen Bewegung und Stille liegt im Yoga das Pranayama, die Arbeit mit dem Atem. Einfache Formen sind für die meisten Menschen gut geeignet:
- Verlängerte Ausatmung: vier Zählzeiten ein, sechs aus.
- Wechselatmung (Nadi Shodhana): abwechselnd durch das linke und rechte Nasenloch atmen.
- Summender Atem (Bhramari): beim Ausatmen summen, wie im Beitrag Ein Mantra singen beschrieben.
Kräftige Techniken wie schnelles Bauchatmen (Kapalabhati) oder langes Atemanhalten gehören in erfahrene Anleitung und sind in der Schwangerschaft, bei Bluthochdruck oder Herzproblemen nicht geeignet.
Yoga Nidra und Entspannung
Am Ende vieler Yogastunden steht Shavasana, die Rückenlage. Eine geführte Form davon ist Yoga Nidra, der „yogische Schlaf“: Man liegt, folgt einer Stimme durch den Körper und bleibt dabei zwischen Wachen und Schlafen. Die heutige Form wurde im 20. Jahrhundert vom indischen Lehrer Swami Satyananda Saraswati geprägt. Für Menschen, die im Sitzen nicht zur Ruhe kommen, ist sie ein guter Einstieg in Meditation.
Den passenden Yogastil finden
Nicht jeder Stil führt gleich stark nach innen. Ruhige Stile wie Hatha, Yin Yoga oder Kundalini Yoga enden meist mit Meditation, dynamische Stile wie Power Yoga eher mit Entspannung. Es lohnt sich, in einer Probestunde nachzufragen, wie viel Raum Atem und Stille im Unterricht haben. Wer die Energiezentren aus dem Yoga verstehen möchte, liest weiter bei Die Chakras; wer die bewegte Meditation vertiefen will, bei Bewegungs- und Tanzmeditation.