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Herz & SeelenpfadMeditation · Jahreskreis · Seele

Die Rauhnächte

Etappe 9 von 12 · Jahreskreis3 Min. LesezeitAktualisiert am

Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag liegt eine eigentümliche Zeit. Die Arbeit ruht, das alte Jahr ist noch nicht ganz vorbei, das neue noch nicht richtig da. Im Volksglauben waren das die Rauhnächte – Nächte, in denen es spukte und in denen man auf Zeichen für das kommende Jahr achtete.

Gemälde einer kleinen, tief verschneiten Hütte zwischen kahlen Weiden
Caspar David Friedrich, „Verschneite Hütte“, um 1827. Die Tage zwischen den Jahren waren für die Landbevölkerung eine Zeit des Rückzugs. Bild: Caspar David Friedrich, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Zwölf Nächte

Meist werden die Rauhnächte vom 25. Dezember bis zum 6. Januar gezählt, also die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und Epiphanias. Regional beginnen sie auch schon mit der Thomasnacht am 21. Dezember oder werden nur auf vier besondere Nächte bezogen: die Thomasnacht, die Christnacht, die Silvesternacht und die Nacht vor Dreikönig.

Warum gerade zwölf? Eine häufig genannte Erklärung verweist auf den Unterschied zwischen Mondjahr und Sonnenjahr. Zwölf Mondmonate ergeben rund 354 Tage, das Sonnenjahr hat 365. Die übrigen elf Tage und zwölf Nächte lagen gewissermaßen „außerhalb der Zeit“. Ob diese Erklärung historisch trägt, ist unsicher; sie ist aber ein schönes Bild für die Stimmung dieser Tage.

Woher der Name kommt

Die Schreibweise schwankt zwischen Raunacht und Rauhnacht. Eine Deutung leitet den Namen vom Räuchern ab: In katholischen Gegenden gingen Hausvater und Familie mit Weihrauch durch Haus und Stall, um Unheil abzuwehren. Eine andere verbindet ihn mit „rau“ im Sinne von behaart – ein Hinweis auf die pelzigen Gestalten, die in diesen Nächten umgehen sollten.

Wilde Jagd und Perchten

Im Volksglauben zog in den Rauhnächten die Wilde Jagd über den Himmel, ein Heer von Geistern und Toten, angeführt je nach Region von Wotan, Frau Holle oder Frau Perchta. Wer ihr begegnete, musste sich zu Boden werfen. In den Alpenländern ziehen bis heute Perchten mit Fellen, Holzmasken und Glocken durch die Dörfer, um den Winter auszutreiben.

Aus dem Glauben entstanden viele Verbote: In den Rauhnächten sollte man keine Wäsche aufhängen, weil sich die Wilde Jagd darin verfangen könnte, nicht spinnen, nicht Brot backen. Wer genau hinsieht, erkennt darin auch eine sehr praktische Regel: Zwischen den Jahren wird die Arbeit ruhen gelassen.

Die Rauhnächte heute

In den letzten Jahren sind die Rauhnächte zu einem beliebten Ritual der Selbstbesinnung geworden. Verbreitet ist die Vorstellung, jede der zwölf Nächte stehe für einen Monat des kommenden Jahres. Viele Menschen führen in dieser Zeit ein Tagebuch, notieren Träume oder beschäftigen sich mit einem Wunsch pro Nacht.

Wie bei allen Jahreskreisbräuchen gilt: Die Übung ist neu, ihre Stimmung alt. Man muss nicht an Geister glauben, um die stille Zeit zwischen den Jahren zu nutzen. Es reicht, ihr Raum zu geben – mit Spaziergängen, Stille und Rückschau.

Im Jahreskreis

Die Rauhnächte schließen sich an die Wintersonnenwende an und enden, bevor mit Imbolc das Licht spürbar zurückkehrt. Wer die dunkle Zeit mit einer täglichen Übung verbinden möchte, findet in der Sitzmeditation einen einfachen Anfang.

Quellen und weiterlesen

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