Mabon – die Herbst-Tagundnachtgleiche
Etappe 6 von 12 · Jahreskreis3 Min. LesezeitAktualisiert am
Ende September sind Tag und Nacht noch einmal gleich lang. Danach gewinnt die Dunkelheit. Die Obstbäume hängen voll, die Felder sind abgeerntet. Im modernen Jahreskreis heißt dieser Moment Mabon – ein Name, der jünger ist als viele denken.

Die Herbst-Tagundnachtgleiche
Um den 22. oder 23. September überquert die Sonne den Himmelsäquator nach Süden. Auf der Nordhalbkugel beginnt der astronomische Herbst. 2026 lag der Zeitpunkt am 23. September um 2:05 Uhr Sommerzeit, 2027 wird es der 23. September um 8:01 Uhr sein. Von nun an werden die Nächte länger als die Tage, bis zur Wintersonnenwende.
Woher der Name kommt
Mabon ap Modron – „Sohn der Mutter“ – ist eine Gestalt aus der walisischen Sagenwelt. In der Erzählung „Culhwch und Olwen“ wird er als Kind geraubt und nach langer Suche befreit. Mit dem Herbst hat er in den alten Texten nichts zu tun. Als Name für die Herbst-Tagundnachtgleiche schlug ihn der US-amerikanische Neuheide Aidan Kelly um 1970 vor. Seitdem hat er sich in der englisch- und deutschsprachigen Jahreskreis-Bewegung durchgesetzt.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Jahreskreis gewachsen ist: Alte Namen und Bilder wurden neu kombiniert, weil sie eine Stimmung treffen. Wer Mabon feiert, feiert also keine keltische Überlieferung, sondern eine moderne Deutung des Herbstbeginns.
Erntedank
Viel älter und im deutschsprachigen Raum tief verwurzelt ist das Erntedankfest. Die evangelische und die katholische Kirche feiern es in der Regel am ersten Sonntag im Oktober, also kurz nach der Tagundnachtgleiche. Altäre werden mit Früchten, Gemüse und Getreide geschmückt, vielerorts wird eine Erntekrone gebunden. In den USA und Kanada ist Thanksgiving das entsprechende Fest, in China das Mondfest zur Mitte des achten Mondmonats.
Gleichgewicht und Loslassen
Wie Ostara im Frühjahr ist Mabon ein Fest des Gleichgewichts. Diesmal aber mit anderem Vorzeichen: Nicht Aufbruch, sondern Einkehr steht an. Die Natur zieht ihre Kräfte zurück, Bäume werfen ihr Laub ab. Viele Menschen nutzen diese Zeit, um Bilanz zu ziehen und bewusst etwas abzulegen.
Mabon feiern
- einen Apfelkuchen oder Most aus Obst der Region,
- eine Dankesliste mit zehn Dingen, die in diesem Jahr gut waren,
- ein Herbstspaziergang in den Wald, wie im Beitrag Meditativ wandern beschrieben,
- ein Redekreis im Freundeskreis über das, was geerntet wurde – Anregungen gibt der Beitrag Redekreis.
Mabon folgt auf Lughnasadh und leitet über zu Samhain, dem Beginn der dunklen Zeit.