Samhain – Winteranfang und Ahnengedenken
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Mit Samhain begann im alten Irland die dunkle Jahreshälfte. Es war die Nacht, in der die Grenze zur Anderswelt durchlässig sein sollte. Aus den Bräuchen dieser Nacht wurde über viele Umwege Halloween – und im christlichen Kalender liegen Allerheiligen und Allerseelen genau hier.

Das irische Winterfest
Samhain – im heutigen Irischen der Name des Monats November – war das wichtigste der vier irischen Jahreszeitenfeste. Es markierte das Ende der Weidezeit: Das Vieh kam von den Sommerweiden zurück, ein Teil wurde geschlachtet, Vorräte wurden gezählt. In frühmittelalterlichen Erzählungen ist Samhain die Zeit großer Versammlungen und zugleich eine Nacht, in der Wesen aus der Anderswelt, den Síde, in die Welt der Menschen treten.
Das Fest begann nach irischer Zählung am Vorabend, denn der Tag rechnete von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang. Deshalb liegt der Schwerpunkt bis heute auf der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November.
Von der Rübe zum Kürbis
In Irland und Schottland zogen noch im 19. Jahrhundert verkleidete Gruppen an diesem Abend von Haus zu Haus, sangen oder sagten Verse auf und bekamen dafür Essen. Aus Rüben schnitzte man Laternen mit Fratzengesichtern. Irische und schottische Auswanderer brachten die Bräuche nach Nordamerika, wo der größere, leichter zu schnitzende Kürbis die Rübe ersetzte. Von dort kam Halloween Ende des 20. Jahrhunderts nach Europa zurück.
Allerheiligen und Allerseelen
Die Kirche feiert am 1. November Allerheiligen und am 2. November Allerseelen, das Gedenken an alle Verstorbenen. Ob die Kirche diese Termine bewusst auf ein älteres Fest gelegt hat, ist umstritten: Allerheiligen wurde schon im 8. Jahrhundert in Rom am 1. November gefeiert, lange bevor irische Bräuche dort eine Rolle spielten. Sicher ist, dass Anfang November in vielen Kulturen eine Zeit des Totengedenkens ist. In Deutschland besuchen Familien die Gräber und stellen Lichter auf; in Mexiko feiert man den bunten Día de Muertos.
Samhain ist kein Gruselfest, sondern ein Fest der Erinnerung. Die Dunkelheit draußen lädt dazu ein, nach innen und nach hinten zu schauen.
Ahnen gedenken
Im modernen Jahreskreis ist Samhain vor allem ein Fest der Ahnen. Viele Menschen stellen Fotos verstorbener Angehöriger auf, erzählen Geschichten über sie oder decken einen zusätzlichen Platz am Tisch. Das muss nicht spirituell gemeint sein. Es kann einfach eine Form sein, Trauer einen Ort im Jahr zu geben.
Samhain im Jahreskreis
Samhain ist das Gegenfest zu Beltane. Beltane öffnet die helle Jahreshälfte, Samhain die dunkle. Es folgt auf Mabon und leitet in die stillste Zeit des Jahres über, die mit der Wintersonnenwende und den Rauhnächten ihren Tiefpunkt erreicht. Wer in dieser Zeit mit anderen sprechen möchte, findet im Redekreis eine behutsame Form.