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Herz & SeelenpfadMeditation · Jahreskreis · Seele

Schamanische Heilpfade

Etappe 10 von 12 · Jahreskreis3 Min. LesezeitAktualisiert am

Trommelreisen, Krafttiere, Seelenrückholung: Schamanische Seminare sind in Deutschland seit den 1980er-Jahren verbreitet. Mit den Traditionen Sibiriens, von denen das Wort stammt, haben sie oft wenig zu tun. Ein Blick auf Herkunft, Praxis und Kritik.

≈ 200 Schläge / Minute
Eine Rahmentrommel, wie sie bei Trommelreisen verwendet wird. Der gleichmäßige, schnelle Schlag ist das zentrale Element der Übung.

Das Wort

„Schamane“ stammt aus der Sprache der Ewenken, eines tungusischen Volkes in Sibirien. Über russische Reiseberichte des 17. und 18. Jahrhunderts gelangte das Wort nach Westeuropa. Ursprünglich bezeichnete es religiöse Spezialisten, die im Auftrag ihrer Gemeinschaft mit Geistern in Kontakt treten – um Kranke zu heilen, Jagdglück zu erbitten oder Verstorbene zu geleiten.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff immer weiter gefasst. Heute nennt man damit ähnliche Praktiken in Nord- und Südamerika, Asien und anderswo. Viele Ethnologinnen und Ethnologen sehen das kritisch, weil sehr unterschiedliche Kulturen unter einem Etikett zusammengefasst werden.

Eliade und Harner

Zwei Bücher prägten das westliche Bild besonders. 1951 erschien „Schamanismus und archaische Ekstasetechnik“ des Religionswissenschaftlers Mircea Eliade. Er beschrieb den Schamanen als Meister der Ekstase, der seine Seele auf Reisen in obere und untere Welten schickt. Die Darstellung ist einflussreich, aber heute in vielem umstritten.

1980 veröffentlichte der US-amerikanische Anthropologe Michael Harner „The Way of the Shaman“, auf Deutsch „Der Weg des Schamanen“. Er entwickelte daraus den Core-Schamanismus: eine von einzelnen Kulturen gelöste Grundform mit Trommelreise, Krafttier und geistigen Helfern, die jede und jeder in Seminaren lernen kann. Fast alle schamanischen Kurse in Deutschland gehen direkt oder indirekt auf diesen Ansatz zurück.

Die Trommelreise

Eine Trommelreise läuft meist so ab: Die Teilnehmenden liegen mit geschlossenen oder verbundenen Augen, die Leitung schlägt eine Rahmentrommel gleichmäßig und schnell, oft rund 200 Schläge pro Minute, für eine Viertelstunde. Vorher wird eine Absicht formuliert, etwa „Ich möchte meinem Krafttier begegnen“. Viele Menschen erleben dabei lebhafte innere Bilder. Ein Rückruf-Rhythmus beendet die Reise, danach wird erzählt oder aufgeschrieben.

Aus psychologischer Sicht ähnelt das einer geführten Imagination oder leichten Trance. Das monotone Trommeln erleichtert es, in einen bildhaften, träumerischen Zustand zu gleiten. Für viele ist das bereichernd; es ist aber keine Behandlung von Krankheiten.

Kritik: Aneignung und „Plastikschamanen“

Vertreterinnen und Vertreter indigener Völker, vor allem in Nordamerika, kritisieren seit Jahrzehnten, dass ihre Zeremonien aus dem Zusammenhang gerissen und gegen Geld verkauft werden. Für Menschen, die Titel wie „Schamane“ ohne Bezug zu einer Gemeinschaft vermarkten, hat sich im Englischen der Ausdruck plastic shaman eingebürgert. Wer ein Seminar besucht, darf fragen: Von wem hat die Leitung gelernt? Wird die Herkunft der Übungen ehrlich benannt?

Schamanische Elemente im Jahreskreis

Viele Jahreskreisgruppen verbinden ihre Feste mit Trommeln, Räuchern und Kreisritualen. Das ist meist moderne, frei gestaltete Spiritualität und darf auch so heißen. Einen Überblick über die Feste gibt der Wegabschnitt Jahreskreis. Eine einfache Form der gemeinsamen Runde ohne Trance beschreibt der Beitrag Redekreis.

Quellen und weiterlesen

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