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Herz & SeelenpfadMeditation · Jahreskreis · Seele

Lughnasadh – das Fest der ersten Ernte

Etappe 5 von 12 · Jahreskreis3 Min. LesezeitAktualisiert am

Anfang August beginnt die Getreideernte. Im alten Irland war das Anlass für Lughnasadh, ein Fest mit Wettkämpfen, Märkten und Heiratsabsprachen. In England brachte man zur selben Zeit ein Brot aus dem ersten Korn in die Kirche.

Gemälde mit mehreren aufgestellten Getreidegarben auf einem Feld unter hellem Himmel
Vincent van Gogh, „Weizengarben“, 1885. Die aufgestellten Garben trockneten auf dem Feld, bevor sie eingefahren wurden. Bild: Vincent van Gogh, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Lug und die Spiele von Tailtiu

Lughnasadh bedeutet „Versammlung des Lug“. Lug (oder Lugh) ist in der irischen Mythologie ein strahlender, vielseitig begabter Gott. Die Überlieferung erzählt, er habe das Fest zu Ehren seiner Ziehmutter Tailtiu gestiftet, die bei der Rodung der irischen Ebenen für den Ackerbau vor Erschöpfung gestorben sei.

In Tailtiu, dem heutigen Teltown in der Grafschaft Meath, fanden im Mittelalter große Versammlungen mit Wettkämpfen, Pferderennen, Märkten und Rechtsprechung statt. Nach der Überlieferung wurden dort auch Probeehen für ein Jahr und einen Tag geschlossen. Das Fest wurde zu Beginn der Getreideernte gefeiert, traditionell am 1. August.

Lammas: Brot aus dem ersten Korn

In England hieß der 1. August Lammas, aus altenglisch hlafmæsse, „Brot-Messe“. Man buk ein Brot aus dem ersten geernteten Getreide und ließ es in der Kirche segnen. Der Brauch zeigt, wie sehr die Menschen von einer guten Ernte abhingen – der Sommer war die Zeit zwischen den Vorräten, wenn das alte Korn zur Neige ging und das neue noch auf dem Feld stand.

Auch im deutschsprachigen Raum gab es Bräuche zum Erntebeginn: Die erste Garbe wurde feierlich geschnitten, die letzte oft zu einer Figur gebunden, der „Alten“ oder dem „Kornkind“.

Bergfeste und Heidelbeeren

In Irland hielt sich Lughnasadh bis ins 20. Jahrhundert in Form von Bergwallfahrten am letzten Julisonntag. Die bekannteste führt bis heute auf den Croagh Patrick. Man sammelte Heidelbeeren, tanzte und traf sich auf Hügeln. Die irische Volkskundlerin Máire MacNeill hat diese Bräuche 1962 in einer großen Studie gesammelt.

Lughnasadh heute

Im modernen Jahreskreis ist Lughnasadh das erste von drei Erntefesten; es folgen Mabon und Samhain. Viele feiern mit Brot, Beeren und einem Blick auf das, was im eigenen Jahr bereits gereift ist. Auch die Frage nach der Erschöpfung gehört dazu: Die Geschichte von Tailtiu erinnert daran, dass jede Ernte Kraft kostet.

Lughnasadh folgt auf die Sommersonnenwende. Sein Gegenfest im Winter ist Imbolc. Den ganzen Jahreslauf zeigt der Wegabschnitt Jahreskreis.

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