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Herz & SeelenpfadMeditation · Jahreskreis · Seele

Körperarbeit: Tibetan Pulsing, Bioenergetik, Atem

Etappe 2 von 2 · Seele4 Min. LesezeitAktualisiert am

Gefühle wohnen nicht nur im Kopf. Wer Angst hat, spürt sie im Bauch; wer trauert, in der Brust. Körperorientierte Methoden setzen hier an. Die Spannweite reicht von anerkannter Körperpsychotherapie bis zu spirituellen Verfahren mit großen Versprechen.

Kopf: Anspannung, GrübelnBrust: Angst, Wut, EngeBauch: NervositätGlieder: Schwere bei Trauer
Wo Menschen Gefühle im Körper spüren: Eine finnische Studie ließ 2013 Hunderte Teilnehmende Körperkarten für verschiedene Gefühle zeichnen.

Körper und Seele

Dass seelische Zustände sich im Körper zeigen, ist gut belegt: Stress verändert Atmung, Muskelspannung, Puls und Verdauung. Eine viel beachtete Studie aus Finnland ließ 2013 Menschen aus mehreren Ländern einzeichnen, wo sie verschiedene Gefühle im Körper spüren. Die Karten ähnelten sich über Kulturgrenzen hinweg: Wut und Angst wurden vor allem in Brust und Kopf verortet, Traurigkeit als Schwere in den Gliedern, Glück im ganzen Körper.

Körperorientierte Verfahren nutzen diese Verbindung. Sie arbeiten mit Berührung, Bewegung, Haltung und Atem, um Gefühle spürbar zu machen und Spannung zu lösen.

Bioenergetik

Die Bioenergetische Analyse entwickelte der US-amerikanische Arzt Alexander Lowen in den 1950er-Jahren, aufbauend auf den Ideen seines Lehrers Wilhelm Reich. Lowen ging davon aus, dass sich unterdrückte Gefühle als chronische Muskelspannung festsetzen, als „Charakterpanzer“. Typische Übungen sind das „Erden“ im Stehen mit leicht gebeugten Knien, das Zittern lassen der Beine und kräftige Ausdrucksübungen.

Bioenergetik gehört zu den Verfahren der Körperpsychotherapie. Diese wird von ausgebildeten Psychotherapeutinnen, Ärzten und Heilpraktikern für Psychotherapie angewandt. Die Forschung ist weniger umfangreich als bei den Richtlinienverfahren, zeigt aber für einige Ansätze Wirksamkeit, etwa bei Depressionen und somatoformen Beschwerden. Von den gesetzlichen Kassen wird Körperpsychotherapie als eigenes Verfahren nicht bezahlt; Elemente fließen aber in viele Behandlungen ein.

Tibetan Pulsing

Tibetan Pulsing ist eine Form der Körper- und Energiearbeit, die auf Shantam Dheeraj zurückgeht. Nach Darstellung seiner Schülerinnen und Schüler bildete er zwischen 1988 und 1997 im Ashram des indischen Lehrers Osho in Pune und in Europa viele Menschen aus; er starb 1998. Die Methode verbindet Berührung, Arbeit mit dem Puls an bestimmten Körperpunkten, Atem, Farben und Klänge. Angeboten wird sie in Einzelsitzungen und Gruppen, oft unter Namen wie „Tibetische Essenz-Körperarbeit“.

Anhänger berichten von einer tibetischen Herkunft der Methode. Belegen lässt sich das nicht; die Methode entstand in ihrer heutigen Form im Umfeld der Osho-Bewegung. Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit gibt es nach heutigem Kenntnisstand keine. Viele Menschen erleben die Sitzungen als wohltuend – das ist ein ehrliches Argument, aber kein Heilnachweis.

Atemarbeit

Intensive Atemtechniken wie das Holotrope Atmen nach Stanislav Grof oder das Rebirthing arbeiten mit schnellem, vertieftem Atem über lange Zeit. Sie können starke Gefühle, Kribbeln, Krämpfe und veränderte Bewusstseinszustände auslösen. Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie, Glaukom, in der Schwangerschaft und bei psychischen Erkrankungen gelten sie als ungeeignet. Sanfte Atemübungen, wie sie im Beitrag Yoga und Meditation beschrieben sind, sind dagegen für die meisten Menschen unbedenklich.

Einordnung

Körperorientierte Methoden können eine Therapie bereichern und das Körpergefühl verbessern. Wer unter einer seelischen Erkrankung leidet, sollte sie aber in einen fachlichen Rahmen einbetten. Wie man seriöse von unseriösen Angeboten unterscheidet, erklärt der Beitrag Alternative Psychotherapie. Den Weg in eine kassenfinanzierte Behandlung beschreibt der Wegabschnitt Seele. Sanfte bewegte Übungen finden Sie unter Bewegungs- und Tanzmeditation.

Quellen und weiterlesen

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